Fuck me .by. Anna
Der mit der...

Guten Tag!
Dies ist das letzte (und auch verdemmt experimentelle) Kapitel von "GFgMeK".
Und damit komme ich auch zu der schmerzhaften ankündigung meiner Sommerpause!
Heißte ich werde für einige zeit nicht wirklich da sein.
Wer genaueres wissen will (Warum, wieso wielange??) der kann dies in meinem Weblog nachlesen.
Liebe euch
Blasted (the wahnsinn) King
(Viel Spaß)


Teil 3 – Der mit der...

Für Das_Anni

Vielleicht lag es an seinem doch ungewöhnlich angespannten Gesichtsausdruck oder an irgendetwas anderem, aber ständig kamen irgendwelche Leute an und sagten so Sätze wie „Man, mach’ doch mal Pause!“, oder „Gestern war’s spät, oder?“
Doch eigentlich ging es Farin ganz gut. Das glaubte er zumindest.
Er hatte alles, was er wollte, eine gut laufende Tour mit seinem Racing Team, wunderschönes Wetter und jede Menge geil abrockende Fans – also warum um alles in der Welt sah er so aus, als ob ihm jemand gerade eine Portion Sauerkraut ins Gesicht geworfen hätte??
Vielleicht, weil gerade jetzt der Tourbus einer zweiten Hölle ähnelte.
Man war das HEIß!!
Aber eigentlich war das kein Grund, um einen genervten Eindruck zu machen. In Wirklichkeit wollte er nur, dass sie ihn alle für kurze Zeit einfach in Ruhe ließen...ihn einfach nicht beachteten. Was angesichts der Tatsache, dass er hier der Chef war, gar nicht so einfach war. Noch nie hatte er sich so sehnlich Urlaub gewünscht, irgendwo im Himalaja, oder nach Japan, oder nach Amerika oder weiß der Teufel wohin, bloß weg hier!!
Bis jetzt hatte er es geschafft, noch jeden der in der letzten halben Stunde ein Gespräch mit ihm anfangen wollte, wieder zu vertreiben. Das machte ihn wahrscheinlich nicht äußerst beliebt, aber was soll’s...schließlich bezahlte er sie alle! Farin hasst sich für diese abschätzenden Gedanken, aber es war ihm unmöglich sie nicht zu denken – an diesem wunderschönen Tag.
Irgendwo vor ihm hörte er, wie sich Rob und Fischi unterhielten. Der Posaunist und der Saxophonist redeten erst leise, Rob brach in ein lautes Lachen aus und Fischi setzte noch einen drauf, sodass sich der Posaunist gar nicht mehr einzukriegen schien.
Selbst Farin musste schmunzeln. Zwar hatte er nicht mitbekommen, worum es bei dem fremden Gespräch gegangen war, aber das Geräusch von Lachen war seiner Meinung nach regelrecht ansteckend. Er fuhr sich mit den Händen über die Augen, mit denen er bis eben starr aus dem Busfenster gestarrt hatte und als er seine Augen wieder öffnete, stand Rob plötzlich neben ihm. „Na, Farin!“
Dieser Elan, diese Freude, dieser ungebremste Tatendrang – durfte er ihn erschießen?
„Rob.“, erwiderte er trocken.
„Mensch, du hängst hier rum, als hättest du dir gerade 3 Stunden lang ‚the Cure’ angehört!“
„Ach, Quark – ich bin halt nur in Gedanken!“
Der einige Zentimeter kleinere Posaunist sah ihn abschätzend an. „Wenn du meinst...“
Doch Rob blieb sitzen, ganz entgegen gesetzt Farins Hoffnung er würde sich wieder zu Fischi oder so verziehen. Er wurde das Gefühl nicht los, dass Rob ihm ein Gespräch aufzwingen wollte...
Aber Rob begnügte sich damit, einfach nur da zu sitzen, was dazu führte dass Farin nach kurzem Überlegen wieder aus dem Fenster sah.

Der Bus fuhr auf den Parkplatz vor dem Hotel, in dem sie heute nächtigen sollten und Farin schaute, wieder vom Fenster weg, zu Rob der eingeschlafen war und dessen Kopf zur Seite weggesackt war.
„Hey“ Der Blonde schüttelte ihn leicht am Arm und der Andere blinzelte gegen die einfallende Sonne.
„..schon da?“, fragte er noch leicht verschlafen.
„Ja“, antworte Farin knapp, dem das „schon“ nicht gefiel, weil ihm selbst dieses Geschenk, die Fahrt größtenteils verschlafen zu haben, nicht zuteil geworden war. Und genau in diesem Augenblick hatte er das Gefühl ihm würde gleich der Arsch abfallen.
Wie wunderbar es war, endlich aus dem Bus raus zu kommen! Draußen war es zwar nicht unbedingt viel kühler, aber die Luft war um einiges besser.
Kaum ein paar schwitzende Momente später hätte Farin wahrscheinlich sein gesamtes, in seiner Kariere angesammeltes, Geld dafür gegeben, ein Einzelzimmer zu bekommen – was nicht der Fall war. Er wollte doch nur für ein paar gesegnete Stunden alleine sein!!!!
Nachdem er ein paar Sachen ins Zimmer gebracht hatte, welches er sich mit seinem heute ständigen Verfolger Rob teilte, machte er sich auf den Weg.
Und so führten ihn seine Schritte in die Wildnis. Neben wild schlingenden Pflanzen, in der strahlenden Nachmittagssonne, legte er sich auf den Balkon. Okay, so weit weg und so sehr in der Wildnis war das nun nicht, aber in den letzten 10 Minuten hatte ihn noch niemand angesprochen. Also genoss er seine ganz „persönliche Wildnis“, mit nichts weiter als seinen Shorts bekleidet.
Es war so furchtbar entspannend...weitere 5 Minuten später war er regelrecht weggedöst.
Kurz darauf, und was Farin nicht bemerkte, kam Rob in ihr Zimmer. In der einen Hand eine Eiskalte Cola mit Eiswürfeln.
Der Posaunist sah sich im Zimmer um und bemerkte die offen stehende Balkontür und einer Eingebung folgend, schlich er sich dorthin und fand auch, wen er suchte und wie er vermutet hatte, ihn zu finden. Er war so leise wie möglich, denn Farin schien eingeschlafen zu sein – was nicht gut war, denn er könnte sich einen Sonnenbrand zuziehen – und deshalb würde Rob ihn jetzt wecken!
Das diabolische Grinsen auf seinem Gesicht ließ schon nichts Gutes vermuten. Ganz langsam und leise schlich er sich an Farin an und fischte einen Eiswürfel aus seinem Glas. Und mit diebischer Freude ließ er ihn über Farin’s sehr erhitzten Körper gleiten.
Der Blonde schreckte mit einem Ausruf, der mit „Wuao!“ gut zu beschreiben war, auf. „ROB!!!“
Der Schwarzhaarige lachte leise: „Ja?“ und sah sein Opfer unschuldig an.
Farin strich sich mit der Hand übers Gesicht „Man, ich...“ Er sah Rob in die Augen und vergaß was er sagen wollte. „Ach egal!“
„Sprich dich ruhig aus!“, bot sich Rob liebevoll an und Farin war nah dran ihn vom Balkon werfen zu wollen.
„Ach lass mich doch...“, und mit diesen Worten drehte sich der Gitarrist auf der Liege um und war drauf und dran den Anderen wieder zu ignorieren. Doch dem schien das nicht zu gefallen, denn er stieß ein nicht akzeptierendes Schnauben aus, das sich auf seine Weise verdammt lustig anhörte. Farin drehte den kopf zu ihm: „Was ist denn noch?“
Sie sahen sich in die Augen und Rob zuckte mit den Schultern „Weiß nicht...“, gestand er und erhob sich aus seiner bis jetzt knienden Position. Diese plötzliche Resignation verwirrte Farin irgendwie noch mehr und man brauchte wohl kaum zu erwähnen, dass der Blonde in letzter Zeit nicht wirklich aus seinem Posaunisten schlau wurde. Genauso wenig wie aus sich selbst...Jetzt hör auf mit dem Quatsch, ermahnte ihn seine innere Stimme. Und er zog es vor auf sie zu hören.
„Ich geh mal wieder...“, murmelte Rod als er durch die Balkontür ins Innere des Zimmers verschwand.
Farin wusste, dass, wenn er jetzt wegdösen würde, er wahrscheinlich mit einem Sonnenbrand auf dem Rücken aufwachen würde...
Er nickte tatsächlich ein...

„Jan?“
Der Gitarrist blinzelte und ärgerte sich fast im gleichem Augenblick, dass er eingepennt war.
„Hatte Rob also doch recht...!“, sagte Quitte trocken.
Jan setzte sich auf und rieb sich über die Augen „Scheiße...“, murmelte Farin „...bin eingeschlafen...“ Ein tückischer brennender Schmerz – ein Sonnenbrand!
„Rob hatte meinte dass du wahrscheinlich wieder einpennst und, na ja, er hat gesagt, man sollte doch mal nachgucken...“ Der Saxophonist drehte sich wieder um und verschwand. Als Farin die Hotelzimmertür ins Schloss fallen hörte, dachte er, dass er sich vielleicht hätte bedanken sollen.
Er stand auf und zog sich ein T-Shirt und eine Kurze Hose an, wobei sein Rücken sich schmerzhaft beschwerte als er das T-Shirt überstreifte.
Ein Blick auf die Uhr sagte ihm, dass er fast zwei Stunden in der Sonne gelegen hatte...wenn man die Störung mitrechnete. Es war bereits später Nachmittag und Farin hatte das Gefühl etwas verpasst zu haben. So ungefähr 2 Stunden.
Er kam in der Lobby an und jetzt fiel ihm zum ersten Mal auf, dass er ja gar nicht wusste, was er jetzt machen wollte. Abendessen gab es erst in 2 Stunden und deshalb hielt der blonde Gitarrist erstmal Ausschau nach irgendetwas, oder irgendjemanden, mit dem er sich die Zeit vertreiben konnte.
Es kam ihm so vor, als hätte er es voraussagen können, denn die erste Person, die er traf war Rob. Rob, zusammen mit Fischi, Hardy und Quitte. Der Bläsersatz saß auf einer Eckbank im „Speisesaal“ der Hotels, welcher gleichzeitig, je nach Tageszeit, auch die Bar darstellte.
Und während er zu seinen vier Bandkollegen lief, fiel ihm das erstmals richtig auf, wie verdammt stark dieser verdammte Sonnenbrand brannte.
„Na..“
Der Bläsersatz sah auf, begrüßte ihn, als er sich zu ihnen setzte, und fuhr in dem Gespräch fort, was sie gerade geführt hatten.
„Also ich finde das ist vollkommen erbärmlich!“, sagte Quitte zu Hardy, der die Brauen hochzog.
„Aber wenn du es von der andern Seite betrachtest!“, konterte Hardy.
Und nun mischte sich auch Fischi ein: „Warum interessiert euch das Thema eigentlich so??“
Farin wusste überhaupt nicht, worum es ging, also verhielt er sich erstmal still. Er sah zu Rob hinüber, der sich nicht wirklich an der Diskussion beteiligen wollte und stattdessen an seinem Wasser nippte. Als er bemerkte, dass Farin ihn ansah, lächelte er und zuckte mit den Schultern, gerade so als wollte er sagen: „Ich weiß auch nicht, worüber die gerade reden!“, denn genau so sah er aus.
Quitte schüttelte resignierend den Kopf und nahm sein Glas in die Hand. Es trat Stille ein und bevor er einen Schluck trank, fragte er Farin: „Und, Sonnenbrand?“
Und Farin knurrte leise. Sein T-Shirt schien wie 12 Tonnen Blei auf seinen geschundenen Schultern zu liegen.
„Etwas!“ grummelte er missmutig...und auf einmal hatte er Bock einen Text über Sonnenbrand, oder dergleichen, zu schreiben.
„Gehst du gleich wieder aufs Zimmer?“ fragte Rob eher beiläufig.
„Ja, ich denke schon. Irgendwie bin ich so KO, das glaubt ihr gar nicht.“
Von Fischi kam ein nebensächliches: „Doch wir glauben es dir!“.
„Ich glaub, ich hau mich kurz aufs Ohr, oder so. Bis zum Abendbrot!“ und als er den Gedanken fasste, wieder aufzustehen und in sein Zimmer zu gehen, wurde ihm klar wie sinnlos es gewesen war, erst wieder hier runter zu kommen. Er seufzte leise und stand wieder auf.
„Na ja, ist heut nicht mein Tag...“, murmelte er in seinen nichtvorhandenen Bart und schlurfte in Richtung Treppe. Er schlurfte die Treppe hinauf. Er schlurfte in sein Zimmer.
Und dort konnte er endlich sein Tonnenschweres T-Shirt ausziehen, und es war so als überkäme ihn eine woge der Erleichterung, als es endlich irgendwo in der Ecke landete.
Farin schloss die Fenster und zog die Gardinen zu. Und als er sich aufs Bett fallen ließ, natürlich auf den Bauch, hatte er das Gefühl sofort einschlafen zu können...
Das war aber nicht der Fall.
Er lag einfach nur da.
Sekunden...
Minuten....
Und irgendwann, als er kurz davor war einzuschlafen, ging die Tür auf!
„Jan? Schläfst du????“
Er grummelte irgend etwas Unverständliches ins Kissen hinein, während sich die Tür wieder schloss.
„Also nicht...“
Farin legte den Kopf auf die Seite. „Nein, aber ich war kurz davor...“ Der Raum war ziemlich dunkel, was davon zeugte, dass die Gardinen aus sehr lichtundurchlässigem Stoff waren.
Der Blonde war so schlapp, dass er noch nicht mal murrte, als die Decke zurückgeschlagen wurde.
Doch dann setzte sich diese, jene Person plötzlich auf seinen Hintern. „Hey!“ Er wollte sich aufstützen doch die Person auf seinem Hintern fasste ihm geschwind mit den Händen an die schmerzenden Schultern, sodass Farin ein schmerzerfülltes „Ahh“ entwich, und ihn zurück aufs Bett zwang.
Dann spürte er die heiße Zunge desjenigen, der auf ihm saß. Merkwürdigerweise war ihm das gerade egal.
Die Lippen der anderen bewegten sich seine Wirbelsäule hinauf, zu seinem Nacken, wobei er ein paar Bartstoppeln über seine Haut kratzen fühlte. Die fremden Lippen liebkosten seinen Hals und Farin drehte seinen Kopf noch etwas weiter und auf einmal hatten sie sich gefunden. Farins Zunge umspielte leicht die des Anderen und er fühlte die fremden Hände in seine Hose gleiten.
Und Farin wusste, wer das war. Es war kein Fremder. Nein.
Jetzt übernahm Farin die dominante Rolle, denn er richtete sich auf, aber nicht ohne seine Gegenüber in einen tiefen Kuss zu verwickeln. Der Blonde stieß ihn auf den Rücken und zog ihm das Shirt über den Kopf.
Er küsste den Operköper und öffnete dabei die Hose das Anderen und dann seine eigene.
Ja, Farin gab es ganz offen zu, er war geil. Und er würde diese Chance jetzt nicht verspielen.

Farin fuhr sich, immer noch schwer atmend, durch die Haare. Er lag auf dem Bauch, sein Rücken erlaubte ihm keine andere Position, und stützte sich mit dem Ellbogen aufs Bett.
Das Zimmer war immer noch dunkel, aber seine Augen hatten sich an die Dunkelheit gewöhnt.
„Verdammt, was machst du hier, Robert?“
Rob lachte leise und rollte sich auf die Seite, sodass er Farin ins Gesicht sehen konnte.
„Keine Ahnung!“ Er streichelte dem Blonden über die Schultern. „Irgendwie das gleiche wie du...“
„Lass das“, murrte Farin und schob Robs Hand von seiner brennenden Schulter.
„Memme!“
Der Gitarrist gab ein beleidigtes „Pf“ von sich und guckte an die Wand.
„Beleidigte Memme...“ Der Posaunist kuschelte sich etwas weiter an Farin und er konnte es sich nicht nehmen lassen, wieder mit seinen Fingern über den Rücken des Größeren zu streicheln. Dieser sah ihn böse an. Aber es war ein lustiges böse.
Und schon war Farins Hand unter der Decke verschwunden und piekste Rob in die Seite.
„Nicht Jan- nicht Kitz...“ Weiter kam er nicht, denn Farin startete die teuflischste Kitzelaktion seit Menschengedenken und er hörte erst auf, als er auf Rob saß und der Kleinere sich vor Lachen unter ihm krümmte.
„Na, bist du lieb?“ fragte er, debil grinsend.
Rob war vollkommen atemlos „...Ja...verdammt!...“
„Dann ist gut.“ Und er beugte sich runter und küsste Rob, erst auf den Mund und dann auf die Stirn und setzte sich dann neben ihn im Schneidersitz aufs Bett.

„Jetzt wieder Freunde?“, fragte Farin lächelnd und Rob seufzte.
„Ja, jetzt wieder Freunde“ Und er stand auf und zog sich an.
„Du sagst es niemandem, oder?“
Rob kam wieder zu Farin und sah ihn verständnisvoll, aber auch etwas grinsend an. „Nein, ich sag es keinem. ... Versprochen!“, fügte er noch schnell hinzu, als Farin schon wieder den Mund aufmachte.
„...Danke“, murmelte Farin, der den Blick gesenkt hatte und auf seine Beine starrte.
„Hey, jetzt wieder nur Freunde!“, sagte der Schwarzhaarige und küsste den Blonden flüchtig. Dann verließ er das Zimmer.
Und ließ mal wieder einen viel zu stolzen Farin mit einem geknickten Ego zurück.

© Blasted
26.5.07 11:55


Dein Morgen ist mein Gestern

Teil 2 – Dein Morgen ist mein Gestern!

Für YumeKuroi

Manchmal war das Leben schon irre kompliziert, dachte der Schwarzhaarige, wobei er einen traurigen Seufzer ausstieß.
Eine dicke, fette Taube sah ihn schief an.
Bela mochte diese Tauben nicht, die man in allen möglichen Fußgängerzonen fand – er mochte sie einfach nicht.
Die fette Taube pickte etwas vom Boden auf und wurde gleich noch fetter, bevor sie sich in die Lüfte erhob, was bei dem Gewicht, wahrscheinlich als das 8. Weltwunder gelten sollte.
Er hatte das Gefühl, dass er irgendetwas dringend brauchte, dass seine Seele förmlich danach schrie, aber seine Gehörgänge schienen nach all den Jahren doch mehr gelitten zu haben als man zugeben mochte. Es war wie ein inneres Defizit!
„Ich spüre ein Defizit!“, murmelte er vor sich hin, wobei er, den Kopf gesenkt, die Augen trotzdem nach vorne gerichtet, die Fußgängerzone zu ihrer schönsten Zeit am frühen Morgen entlang lief.. Kein einziger Mensch, kein einziges geöffnetes Geschäft – nur fette Tauben.
Der Grund, warum er um diese unchristliche Zeit in einer vollkommen verlassen scheinenden Stadt umherlief, war eben jenes Gefühl. Ein verdammt leeres.
Vielleicht sollte er in den nächsten paar Minuten...oder Stunden mal wieder nach Hause gehen.
Ein kräftiges Gähnen überkam ihn, denn er hatte die ganze Nacht nicht geschlafen. Erst hatte er es noch versucht...aber irgendwann war er dann spazieren gegangen.
Mit bedächtigen Schritten machte er sich wieder auf den Weg zur Wohnung, und er wusste, dass er bei dem Tempo noch sehr lange brauchen würde....
Egal.
Doch auf halbem Weg machte er noch mal Pause und setzte sich auf eine Bank, die mit so vielen Botschaften voll geschrieben war, dass man einige Sachen mittlerweile lesen konnte wie: „Anna gez. Love fuck you“ oder „Punk I E.G.“ Vollkommen zusammenhangslos. Er erinnerte sich noch verschwommen, dass damals in der Schule auch so eine ähnliche Bank gestanden hatte. Auf einmal wollte er auch etwas auf diese Bank schreiben und durchsuchte seine Taschen. Seine Enttäuschung war kaum zu verbergen, als er keinen Stift fand.
Doch eigentlich wusste er gar nicht, was er hätte schreiben wollen.
Bela streckte seine Arme in Richtung Himmel und die ihn plötzlich übermannende Müdigkeit entlockte ihm ein weiteres herzhaftes Gähnen, es wurde jetzt langsam wirklich Zeit, dass er nach Hause ging, also stand er wieder auf und trottete weiter.
Der Schwarzhaarige lief vorbei an Straßenlaternen und Häuserblocks, an schmierigen Mauern und feuchten Straßen, bis er nach gefühlten 8 Stunden (eigentlich 20 Minuten) endlich seine Wohnungstür aufschloss. Mittlerweile fiel er fast um vor Müdigkeit. Er schloss die Tür wieder hinter sich und zog sich nicht einmal aus, bevor er sich auf sein Bett fallen ließ. Nur einen Kurzen Abstecher ins Wohnzimmer hatte er zuvor gemacht, wo er sich einen Edding in die Tasche seiner Jacke gesteckt hatte. Kurz bevor er in einen tiefen und festen Schlaf abdriftete dachte er noch einmal an diese beschriebene Bank und was er hätte schreiben können...

Geweckt wurde er erst am späten Nachmittag wieder.
Helle Herbststrahlen blendeten Bela, als er die Augen öffnete und versuchte die Ziffern seines Digitalweckers zu entziffern und gleichzeitig das Weckerklingeln abzustellen. Erst als er das fünfte Mal verzweifelt auf den Wecker geschlagen hatte, es war halb 5, bemerkte er frustriert, dass es die Türklingel war, die von irgendeinem Wahnsinnigen permanent gedrückt wurde.
Mühsam stand er auf und schlurfte zur Tür und der Freisprechanlage und murmelte mit einem murren „Ja, wer da?“ Er fuhr sich durchs Haar und sah an sich runter. Er sah aus als ob er gleich weg gehen wollte - nicht als wäre er gerade aufgestanden. So komplett angezogen, plus Jacke und Schuhe.
Ein kurzes Knacken und dann hörte er eine ihm wohl bekannte Stimme, die schon beinahe vorwurfsvoll klang: „Dirk! Ich bin’s! Hast du vergessen ich wollte doch heute vorbeikommen...und jetzt bin ich hier!“
Wie eine Lawine löste sich etwas in seinem Hirn und er erinnerte sich schlagartig und hätte am liebsten den Kopf plus Lawine gegen die Tür gehauen; wie konnte er das nur vergessen?
Ohne ein weiteres Wort drückte er den Knopf, der die Tür unten so nett summen ließ und öffnete seine Wohnungstür.
Er hörte die erst etwas leiseren Schritte, die immer lauter im Treppenhaus widerhallten, bis endlich Rod vor im Stand und ihn mit einem Lächeln begrüßte. Dann sah der Größere Bela von oben bis unten an und fragte „Willst du gerade weg?“
Ein zynisches, beinah gequältes Lächeln zwang sich auf die schmalen Lippen das Kleineren. „Nein, ich bin gerade erst aufgestanden.“
Rod zuckte mit den Schultern: „Aha“ Er trat in die Wohnung, vorbei an dem noch ziemlich verschlafen aussehenden Bela.
„Was hast du denn gestern gemacht, dass du bis jetzt geschlafen hast – so voll angezogen?“
Es war komisch, als sich beide ihre Jacken auszogen und neben weitere Jacken Belas an die Garderobe hingen.
„Spazieren!“, antwortete er träge und streckte sich ausgiebig.
Dass Rodrigo aus dem Schlagzeuger gerade nicht besonders schlau wurde, sah man ihm gut in seinem Gesicht an, in dem mit großen, anprangernden Worten geschrieben stand „Hä??“. Aber der liebe Herr „Ich-rede-jetzt-mal-wirres-Zeug“ war bereits in der Küche verschwunden um sich mindestens acht Tassen des nicht nur heißen, sondern jetzt auch nötigen gebrauten Lebenselixiers zu machen: Kaffee!
Rod folgte seinem Bandkollegen in die Küche und setzte sich an den Tisch, als der heute Morgen anscheinend nicht besonders redselige Bela bereits wieder an ihm vorbei rauschte in Richtung Bad.
Sich in Geduld fassend und mit den Fingern auf den Tisch klopfend, sah er sich mal wieder etwas in Belas Wohnung um, während neben ihm die Kaffeemaschine röchelnde, dann tropfende Geräusche von sich gab.
Es fanden sich überall so kleine Persönlichkeitsdinger des Schlagzeugers. Der mit Zetteln voll gehängte Kühlschrank wie man es meist aus Filmen kannte, dort hing die Einkaufsliste der Woche und ein paar wichtige Notizen, wie Arzttermine oder Ähnliches. Man hätte meinen können der Schlagzeuger hatte Angst, etwas zu vergessen.
Dafür, dass der Kühlschrank einen recht chaotischen Eindruck machte, war es ansonsten beinahe penibel aufgeräumt. Doch weiter vertiefte er sich nicht in die Feng-Shui-artige Auslese Bela‘s Wohnung (man muss das Ch’i fließen lassen), denn eben jener kam gerade wieder zur Küche hereingeschneit, und er sah um einiges erfrischter aus.
Er nahm zwei Tassen aus dem Schrank und stellte sie, vollkommen unschick, ohne Untertassen auf den Tisch. Dazu gesellten sich dann noch die Kaffeekanne und die Milch. Zucker stellte er ganz bewusst erst gar nicht auf den Tisch, da er wusste, dass er selbst und Rod beide keinen Zucker in ihren Kaffee taten.
Schweigend setzte sich der liebenswerte Gastgeber an den Tisch, schenkte ihnen Kaffee ein und goss gleich die Milch hinterher.
„Ich habe dich vermisst“, sagte Rod beinahe schon übertrieben gefühlsbetont, und Bela, der gerade seine Tasse zum Mund gehoben hatte und jetzt beim trinken in die Tasse lächelte, glaubte ihm. Er setzte die Tasse, die es eigentlich nicht wert war, angelächelt zu werden, wieder ab und sah sein Gegenüber an.
Rod wusste, dass Bela in diesem Fall so grundlegend anders war. Bela würde nicht sich, und schon gar nicht irgendjemandem eingestehen, dass er ihn vermisst hätte. Er hasst es, von irgendjemandem abhängig zu sein. Deshalb erwartete der Jüngere auch keine Antwort wie: „Ja ich dich auch!“
Sie kamen langsam, langsamer als sonst, ins Gespräch, wahrscheinlich weil Bela noch ziemlich verpennt war, was sich aber mit jedem Schluck von diesem koffeinhaltigen Heißgetränk legte.
Bela sah Rod an, und den Bassisten durchströmte ein furchtbar kribbeliges Gefühl, sodass er überhaupt gar nicht bemerkte, dass er sich vollkommen abwesend über die Unterlippe leckte. Ja, vielleicht bekam er selber es nicht mit, aber der Schlagzeuger auf alle fälle und ein listiges Schmunzeln zierte seine Lippen. Er beugte sich weit vor, genau so weit wie Rod es bereits die ganze Zeit tat und jetzt befanden sich ihre beiden Gesichter nur wenige Zentimeter voneinander entfernt. Er spürte den heißen Atem seines Gegenübers der ihm nach wie vor in die Augen sah, wie zwei viel zu stolze Pfaue im Balzgehabe... sie näherten sich einander, um die letzten Sekunden zwischen sich zu verdrängen, bis ihre Lippen aufeinander trafen, wo wieder ein eiserner Kampf über Vorherrschaft und Unterwürfigkeit entbrannte. Sie erhoben sich und als kein Tisch mehr zwischen ihnen stand, drückten sie sich aneinander und atemlos sahen sie sich an. Lust und Verlangen brannte in Rods Augen und er wollte jetzt auch nicht mehr warten. Und Bela verstand.
Er drängte den Jüngeren rückwärts gegen den Tisch, sodass dieser gezwungen war, sich darauf niederzulassen, Bela hatte die Kontrolle. Er knöpfte das schwarze Hemd des Anderen auf und warf es achtlos beiseite, als er mit den Händen über die freie Brust des anderes fuhr und sich mit dem Kopf in seiner Halsbeuge vergrub, in der seine Zähne sich festbissen.
Gerade als Rod Belas Hosenknopf zu öffnen versuchte, löste sich dieser und lächelte ihn an: „Ich bin sofort wieder da.“ Und er war tatsächlich sehr schnell wieder da. Er kam gerade dazu, seine Hose zu öffnen, um etwas Platz darin zu machen, da war Bela wieder vor ihm. In der einen Hand hatte er ein Kondom, aber was in der anderen war, konnte er nicht sehen. Der Ältere beugte sich weiter vor, zwangsläufig musste Rod diese Bewegung umgekehrt mitmachen. Er lag jetzt auf dem Rücken, Bela küsste ihn und ließ einige Kleidungsstücke verschwinden, wie die Hose des Chilenen. Dann grinste er plötzlich und nahm Rods Hände und band sie, die Arme nach hinten gewinkelt mit zwei schwarzen Tüchern sehr fest an die Tischbeine. Als er soweit war, küsste er Rod, dieser wollte jetzt nur Bela.
„Weißt du Rod, ich will nicht mit dir ins Bett!“, säuselte der Schlagzeuger gemein grinsend und Rod sah ihn verwirrt an. „Der Küchentisch reicht mir!“ Rod schnaubte kurz und verdrehte ungeduldig die Augen. Bela sollte endlich weiter machen.
Er versuchte es, dem anderen klar zu machen, indem er sich mit dem Unterleib gegen den des Anderen drückte. Der Schlagzeuger grinste diabolisch und fuhr mit der Hand langsam und mit sich verstärkendem Druck über den Schaft von Rods Shorts, und wieder hinauf über die Erregung. Dem Gefesselten entrückte ein unterdrücktes Stöhnen. Seine Hände waren komplett bewegungsunfähig, seine Fesseln boten ihn keinerlei Spielraum.
Bela küsste die Brust, dann den Bauch des Anderen, wobei er nach jedem Kuss ein Wort sagte: „Rod...heute...so...ungeduldig?“. Der Gefragte antwortete nicht. Er atmete tief und geräuschvoll.
„Als er die Shorts herunterzog und mit der Zunge nur einmal sanft leicht unterhalb der Eichel entlangfuhr, entlockte er Rod ein gepresstes und vollkommen überladenes „Bitte“ Jeder einzelne Nerv schien zum zerreißen gespannt.
Und Bela hatte den Anderen genau da, wo er ihn wollte, er beherrschte ihn gerade.
Er zog seine Hose runter die in den Kniekehlen hängen blieb, packte das Kondom aus und streifte es über, bevor er nicht brutal, aber auch nicht gerade sanft in den Bassisten eindrang. Er wollte ihn vor Schmerz wimmern und vor Lust schreien hören.
Rod spannte die Sehnen und Muskeln in seinen Armen an, doch seine Hände bewegten sich kein Stück und doch versuchte er sich aufbäumend gegen den Anderen zu drücken.
Rod kam als erster und schaffte es doch wirklich den Pullover der Schlagzeugers ein neues Muster zu verpassen, was dieser aber anscheinend gar nicht so richtig bemerkte, denn er war in diesem Moment selber so erregt und kam auch wenige Momente später.
Schwer atmend beugte er sich zu Rod hinunter und küsste ihn nochmals, diesmal viel intensiver.
Mit wenigen Handgriffen waren die Fesseln gelöst und Rod setzte sich auf und hielt sich die Handgelenke, die jetzt auch leicht schmerzten. Er überlegte, als er aufstand und sich seine Shorts wieder anzog, ob er duschen sollte, aber verwarf diesen Gedanken als Bela, der sich bereits wieder die Hose hochgezogen hatte, zu ihm umdrehte. Rod ging zu ihm und hauchte ganz leise: „Ich liebe dich“ und wollte den Kleineren küssen, doch dieser drehte nur den Kopf beiseite.
Es schmerzte ihm, zu wissen, dass es für ihn nur ein Spiel war, dass er angeblich nichts empfand. Der Chilene hatte gedacht, dass er damit leben könnte, aber es tat so weh.
„Warum willst du es denn nicht wahrhaben?“, fragte er aufbrausend und auch sauer. „Er liebt dich nicht und er wird dich nie lieben, versteh das doch endlich!“
Der Schlagzeuger sah ihn jetzt mit glasigen Augen wieder an und sein Blick verfinsterte sich. „Was weißt du denn schon davon?“, fauchte er ihn an. Rod hatte in die verwundbarste Stelle in Belas Innerem gebohrt, in seinen Stolz.
„Ne ganze Menge...“, antwortete der Chilene leise „...er wird deine Liebe nie erwidern...mach dich nicht an ihm kaputt, bitte!“
„Pff, das sagt der Richtige!“ Doch er bereute es sogleich wieder, als Rod den Kopf senkte. „Tut mir leid...“, nuschelte er.
„Dirk...ich liebe dich!“
Doch der Angesprochene drehte sich um, ging aus der Küche in den Flur, schnappte sich seine Jacke und verließ die Wohnung und einen zutiefst verletzten Rod...mal wieder.
Und wieder verließ er das Gebäude am frühen Abend, die Abendsonne, getrübt von ein paar Regenwolken, strahlte über die Dächer und ein Gefühl von Déjà Vu überkam in. Er dachte nach, er dachte an Jan...und es schmerzte. Er dachte an Rod...und es verwirrte ihn.
Vielleicht...
Plötzlich stand er wieder vor dieser Bank und ihm schien nichts anderes wichtiger zu erscheinen, also setzte er sich. Er überflog wieder die Inschriften... er fror leicht und er sah an sich runter und wollte die Jacke zumachen. Sein Blick verweilte auf seinem Pullover, und erst jetzt bemerkte er Rods Sperma. Und auf einmal wurde es ihm klar; er wusste, was er schreiben wollte. Er durchsuchte noch mal seine Taschen und war regelrecht überrascht als er den Edding in seiner Tasche fand. „Stimmt ja..“ Er erinnerte sich, ihn gestern eingesteckt zu haben - hatte er fast vergessen gehabt.
Er öffnete den Stift und schrieb schön sauber „R + D“ und er musste lächeln. Vielleicht sollte es ja so sein und malte noch ein Herz herum. Es war so kitschig, dass sich Bela hätte schütteln können.
Er packte den Edding wieder weg und betrachtete noch kurz das Herz mit ihren Initialen drauf und stand dann auf. Also er sich ein paar Schritte entfernt hatte, drehte er sich noch einmal um. Und ihm wäre beinahe ein Zacken aus der Krone gefallen, als er sah wie diese dicke, fette Taube sich auf der Bank niederließ und genau auf das frisch gemalte Herz schiss. Er würde sich eigenhändig eine Garage bauen um dann diese Taube darin einzusperren und aus Versehen das Auto anzulassen!
„DU VERFLUCHTE TAUBE!!!“

© Blasted
19.5.07 00:02


Am 12. mai

Dann ist es endlich soweit!!
"Guten Freunden Gibt Mann ein Küsschen" erscheint

Hier der Prolog

Ich bemerkte nicht wie du kahmst.
Doch als di gingst, hat es mich umgebracht!
4.5.07 18:25


Teil 1

Bitte nicht hier Kommentieren sondern auf Animexx, Dankschön! (Link steht links)



Teil 1 – Ich hab’ gewusst, dass du kommst und ich hab’ Kuchen da!

Für Kokuren2

Das überflüssige Klingeln der Haustür schallte durch die Wohnung und eigentlich hätte Bela auch um Punkt drei die Tür öffnen können und der Blonde hätte vor der Tür gestanden.
Wenn es um Pünktlichkeit geht...
Der Schwarzhaarige schlenderte zur Tür und ärgerte sich wieder einmal, weil dieser große Mann sich immer über seine Bitte, doch einfach so hereinzukommen, weil die Tür offen war, hinwegsetzte und klingelte. Er wusste, dass die Tür offen war, wenn er vorbeikam, aber er bestand anscheinend darauf, dass ihm die Tür geöffnet wurde. Der feine Herr!
„Tach!“
Farin grinste und kam hinein. „Schön, dass du tatsächlich gekommen bist!“ Bela schloss die Tür und der Andere sah ihn an.
„Als ob ich dich versetzten würde!“
„Ich trau es dir zu!“, aber gedanklich versuchte er sich erfolglos daran zu erinnern, wann sein Gast ihn jemals vergessen hatte.

Und damit schienen die Worte einfach von ihnen abzufallen und vor der Haustür liegen zu bleiben, denn für die nächsten 10 Minuten trat vollkommene Funkstille zwischen ihnen ein.
Es schien fast so als ob sie telepatisch miteinander kommunizieren würden, nachdem sich Bela zu Farin an den Tisch gesetzt hatte. Und in solchen Momenten geschah es immer, dass sie sich beide für einen kurzen, elektrischen Augenblick in die Augen sahen – und dann, ganz plötzlich, war dieser Moment vorbei und Bela schob es auf Einbildung, Übermüdung oder was sonst gerade zutraf.
Farin war es, wie immer, der die Stille brach, nachdem er resignierend seine Tasse mit dem frisch eingeschenkten und somit brühend heißen Tee auf die Untertasse gestellt hatte.
„Und in letzter zeit mal einen Einser geschrieben?“
Einen Einser – also einen No. 1 Hit – Nein, hatte er nicht, dafür war das, was er in letzter Zeit verbockt hatte, einfach zu schlecht...außer eines. Aber trotzdem sagte Bela „Ja natürlich – n’ Haufen!“, doch bewusst ließ er in seiner Stimme eine gute Prise Sarkasmus mitklingen.
Sorgenvoll schoben sich Farins Augenbrauen über der Nasenwurzel nach oben „Was ist den los, Dirk? Winterdepressionen?“
„Ha, Ha! Nein mir geht es klasse!“, doch der Sarkasmus war noch nicht ganz verschwunden! Er sah Farin an und man konnte in seiner Mimik lesen, dass ihm gerade was eingefallen war.
„Ich hab ja auch noch...“ Der Drummer verschwand aus dem Esszimmer in Richtung Küche und kam mit einem rechteckigen Pappteller wieder, auf dem 4 Stücke Kuchen lagen.
Apfelkuchen!
Der Blonde liebt Apfelkuchen – deshalb hatte er welchen da.
„Ich bin heute Morgen zufällig beim Bäcker vorbeigekommen und da dachte ich...naja, kaufste mal etwas Kuchen!“
(Lüge!Lüge!Lüge!)
Er war genauso zufällig dort vorbeigekommen wie Farin heute hierher – es war der einzige Grund gewesen, Kuchen für Farin. Aber das musste er ja nicht unbedingt sagen – was für einen Eindruck würde das denn machen?!
„Dirk?“
„Was?“ für einen kurzen Augenblick hatte Bela vollkommen apathisch dagestanden „Oh, ja‚ ’tschuldigung! Ich war nicht ganz da...“
„Hat man gemerkt“, murmelte der Gitarrist und Bela, der den Kuchen auf den Tisch gestellt und sich zum holen von Teller und Gabel umgedreht hatte, errötete wie ein kleines Mädchen.
Nachdem er sich wieder an den Tisch gesetzt hatte, versuchte er jetzt mal eine angeregte Konversation zu starten und zwar über das Erstbeste, was ihm einfiel.
„Rod war gestern hier.“ Er tat Farin ein Stück Kuchen auf.
„Ich weiß!“ Der Blonde nahm eine Gabel und fing sehr langsam an zu essen.
Bela sah ihn, wie aus allen Wolken gefallen, verdutzt an. „Wie? Woher?“
„Mhm...“ Er schluckte das Stückchen Kuchen runter und deutete mit der Gabel auf die Fensterbank: „Da!“. Der Schwarzhaarige folgte der Gabel und sah Farin dann fragend an: „Hä?“
„Na, entweder hast du wieder angefangen zu rauchen, Gott behüte, oder du hattest einen Raucher zu Gast – und der erste Raucher, der mir eingefallen ist, ist Rod...“
„Ach so“ Es fiel ihm wie Schuppen von den Augen „Der Aschenbecher“ Den er gestern fahrlässigerweise einfach nur auf die Fensterbank gestellt hatte.
„Und gibt’s was neues in seinem Leben?“
„Könnte man so sagen. Hier, Dings...“ Bela schnipste mit den Fingern um so sein Namensgedächtnis in Schwung zu bringen „Wie heißt sie noch gleich? – Da...Dea...“
„Daniela!“
„Genau, Danny, wie er sie immer nannte, danke, mir lag es auf der Zunge! Sie hat Schluss gemacht – eher sie haben sich aufs Übelste gestritten, wie ich das so mitbekommen habe.“
„Nein!“, äußerte Farin mit einem Mund voller Kuchen ungläubig.
„Doch! Na und dementsprechend ging es ihm auch gestern. Du weißt ja selbst wie viel sie ihm bedeutet hat.“
„Also das hätte ich nicht gedacht.“, gestand Farin der seinen Freund Rodrigo noch von ihrem Letzten Treffen vor Augen hatte, welches noch gar nicht so lange her war. Er schien wirklich glücklich gewesen zu sein.
Bela musste über diese Art, wie sie miteinander sprachen, leicht schmunzeln obwohl es natürlich nicht lustig war – das mit Rod. Aber der Altweiberklatsch, den sie hier gerade betrieben, war einfach zu komisch. (Weißt du schon – Sach’ bloß – Ja, wirklich – Gibt’s ja gar nicht!)
„Und wie sieht es momentan bei dir so aus?“ Die Frage hatte Farin ganz nebensächlich gestellt, doch jetzt sah er Bela aufmerksam an, was Diesem leichtes Unbehagen bereitete,
(Warum?)
deshalb schüttelte er einfach nur den Kopf, denn er musste ihm ja nicht alles brühwarm unter die Nase reiben.
„Ah“
Nun ja, Bela versank wieder in Gedanken, ein paar Sachen waren in letzter zeit schon gelaufen, bloß, dass es...
(Nein, ist egal.)

Farin schien sich heute wieder gut über seinen Schlagzeuger amüsieren zu können, der ständig in Trance zu fallen schien. Also klingelte er, nicht genervt, sondern spielerisch, mit seiner Gabel gegen seinen leeren Teller und der Andere schreckte auf.
„Ach, entschuldige, hast du was gesagt?“
„Nö!“

Bela räumte schweigend die Teller vom Tisch und sagte Farin er solle sich schon mal ins Wohnzimmer setzten, er wollte ihm noch etwas zeigen...
Farin tat einfach wie ihm geheißen...
Der Schwarzhaarige stieß geräuschvoll Luft aus, als der Andere durch die Tür verschwunden war. Und schon kamen ihm wieder die Dinge, von denen er Rod gestern erzählt hatte, als bildhafte Erscheinung vor die Augen. Rod, dem man seine objektive Sicht zugute halten musste, obwohl er seelisch angeschlagen war, war nicht entsetzt gewesen von Belas Vermutungen und...
Ängsten? Gefühlen?
Im Eifer des Gefechts, als er die Kuchenteller vom Tisch hinüber trug und abstellen wollte, hatte er wohl zu viel Schwung im Arm, so dass er es mit viel „Geschick“ tatsächlich fertig bekam, dass ein Teller sauber in der Mitte durchbrach. „Scheiße!“
Und mit noch viel „graziöserer Eleganz“ hatte er es geschafft, sich auch noch zu schneiden, so dass aus einer mindestens 3cm langen Wunde an seinem Zeigefinger jetzt Blut quoll. Erste Reaktion: Finger zum Mund – Blut wegsaugen – und mit der anderen Hand vielleicht Pflaster suchen.
„Alles Okay?“, hörte er eine besorgte Stimme durch die Wohnung hallen.
„Ja, ist alles in bester Ordnung!“, entgegnete er genervt.
Alles, was er fand, war eine leere Schachtel, aber keine da hinein gehörenden Pflaster
Also drückte er die (um es dramatisch auszudrücken) „Wunde“ zusammen, bis es aufhörte zu bluten.
Dann schnappte er sich beide Tassen, frisch aufgefüllt, und folgte Farin ins Wohnzimmer.

Als Farin das Wohnzimmer betrat, fiel ihm als erstes auf, dass es für Belas Verhältnisse ziemlich unordentlich war. Aber alles war relativ.
Er setzte sich nicht, sondern lief aus reiner Neugierde ums Sofa herum zu dem Regal, in dem Bela seine DVDs aufbewahrte (Vielleicht war es ja dieses mal passiert, dass Bela einen Film gekauft hatte der auch ihm gefiel).
Die meisten Filmtitel, die ihm neu erschienen kannte er nicht. Ein paar zog er heraus, um sich die Kurzbeschreibung auf der Rückseite durchzulesen, doch Belas Interesse für Horror schien sein Ende noch nicht gefunden zu haben. Sein eigenes, falls dieses Interesse je bestanden hatte, und wenn, dann nur, um Bela eine Freude zu machen, hatte sich schon längst in Luft aufgelöst. Ein Film übers Abschlachten, ein Film übers Meucheln, ein- Hey! Eine griechische Liebesromanze, (Man will ja auch seine Freundin einlullen, nicht!?) bloß plötzlich stutzte er. Nicht, dass er nach so etwas gesucht hätte! Aber hinter der Liebesschnulze und dem Abschlachten stand noch eine DVD im Dunkeln, gerade so, als sei sie dort versteckt worden.
Farin überlegte keine zwei Mal, denn die Neugier hatte schon beim ersten Mal gesiegt, und schließlich waren sie dicke Freunde – und wahrscheinlich war es eh nur ein Porno (Was sonst stellt man in die zweite reihe?)
Es war ein Porno (Was sonst?). Aber der Titel bereitete ihm leichte Kopfschmerzen: „Intim - Brian und Jason“ Und das Titelbild sprach auch für sich. Diese in Olivenöl eingeriebnen, stählernen Körper zweier Männer, die...
Und genau in diesem Moment hörte er ein herzhaftes Fluchen aus der Küche und die DVD war ebenso schnell wieder verschwunden, wie sie herausgekommen war.
„Alles Okay?“, fragte er laut in Richtung Küche und als Antwort bekam er etwas, was sich wie „Ja... bester Ordnung!“ anhörte. Das dazwischen verstand er nicht.
Farin ließ sich aufs Sofa fallen und sein Kopf machte ein paar Vermutungen, von denen er nichts wissen wollte. Noch nie was wissen wollte. Aber vielleicht...
Aber hatte er es nicht vielleicht schon mal gedacht?
(Nichts Vielleicht!)
Bela kam mit den beiden Tassen durch die Tür und setzte sich.
„Warte noch mal kurz!“ Bela stand sofort wieder auf und kam wenige Momente später zurück, mit der Gitarre in der rechten Hand.
Er setzte sich und atmete tief durch, denn ein inneres Kribbeln hatte eine Art Übelkeit in ihm festgesetzt.
Farin trank einen schluck Tee und hatte erst teilweise realisiert, dass Bela ihm etwas vorspielen – und seine Meinung hören wollte! Also versuchte er alle Gedanken abzuschlagen und Bela zu fixiren.
„Hör gut zu, Jan, ich werde es nur einmal vorspielen! Vielleicht ist es auch einfach nur Mist, aber ich denke, es ist vielleicht ganz lustig...und so.“
„Jetzt fang endlich an.“ Der Blonde rang sich ein aufmunterndes Lächeln ab und der eigentliche Schlagzeuger nickte verlegen schmunzelnd.
Und er fing an, auf seiner einfachen Westerngitarre ein paar Griffe hinzuschrummeln und Farin hörte interessiert zu, bis ihm dann beim Refrain die Gesichtszüge entglitten. Und diese schienen auch nicht wieder zu kommen, auch nicht als Bela schon aufgehört hatte zu spielen. „Naja weiter bin ich noch nicht...“ Unsicherheit ließ ihn verstummen und eine leichte Schamesröte fing sich auf seinen Wangen.
Der Gitarrist schien nach Worten zu suchen – und ein paar Hirnzellen schrieen Nachrichten aus wie „Jetzt nichts Falsches sagen!“, aber warum, darüber schien sich nur Farins Unterbewusstsein bewusst zu sein.
„Wow! Das ist jetzt aber mal direkt!“ Er sah weg.
Bela beobachtete ihn, wie er beim Überlegen die schmale Unterlippe nach innen zog und, vollkommen untypisch für ihn, darauf rumkaute. Was nicht nur, wie Bela, abwesend und nicht mehr Herr seiner Sinne, feststellte, niedlich aussah, sondern auch die Durchblutung förderte, was dazu führte, dass seine Lippe, als er aufsah, einen viel intensiveren Rot-Ton hatte als vorher.
Und Bela blickte direkt in die braun-grünen Augen des Größeren. Diese Augen sahen ihn abwartend, ja beinahe abschätzend an, als ob er etwas erwartete.
(Als ob er etwas sagen wollte!)

„Dirk?“
„Ja, Jan?“
„Also bist...also nicht, dass ich irgendwie was dagegen hätte oder so...“ Bela merkte, dass sich Farin darum bemühte einen halbwegs vernünftigen Satz auf die Beine zu bekommen, aber er wusste nicht, was für einen.
Und auch, wenn es unhöflich war, musste Dirk jetzt etwas trinken, seine Zunge war so trocken, also wandte er sich kurz ab und trank hastig einen Schluck Tee.
Und eben diese Unterbrechung ihres Blickkontaktes brachte Farin dazu, seine Frage in einem über die Bühne zu bringen. Es war, als ob ihn diese Frage schon länger beschäftigt hätte. Als ob er schon einige Abende einfach nur darüber nachgedacht hätte, ob es so sein könnte.

„Bist du schwul?“
Dem Schwarzhaarigen blieb der Tee im Halse stecken und urplötzlich fing er an zu husten.
Farin regte sich nicht und er würde ihn bestimmt verrecken lassen, wenn Bela nicht von alleine wieder zu Atem gekommen wäre.
Mit gespielter Fröhlichkeit und abwertendem Ton lachte er: „Wie kommst du den darauf?“
Doch Farins Mine ließ sich nicht erweichen und Belas Mimik erstarrte, als er wieder in die tiefen der Augen seines Gegenübers sah.
„Verdammt “, dann eine kurze Pause, in der sich Bela durch die Haare fuhr „ich weiß es nicht...“
„Wie..?“
“Ich weiß es einfach nicht, ja!“
Farin schwieg und leise fuhr der Kleinere fort „Ich finde halt in letzter Zeit nichts an den Frauen...und dann letztens – dieser Typ – wir haben miteinander geschlafen...!“
Sie hatten sich die ganze Zeit in die Augen gesehen und jetzt verlor der Schlagzeuger die Kraft dazu und senkte den Blick, bei Rod war es so viel leichter gewesen! Er wollte jetzt nicht abwarten, wie Farin reagieren würde, er wollte die Zeit einfach anhalten und einfach, in der Zeit eingefroren, für immer hier neben ihm sitzen wollen.
Doch leider war ihm das nicht möglich.
„Dirk...es ist doch okay!“ der Gitarrist hob die Hand und berührte die Schulter des Drummers, doch dieser schloss einfach nur die Augen und wartete auf die eine Frage, die er schon die ganze Zeit erwartete. Und er fragte.
„Bloß sag mir: In dem Lied...hast du das ernst gemeint?“
Es war vollkommen unmöglich herauszuhören, was der Blonde jetzt fühlte und das versetzte Bela einen Stich, tief ins Herz.
„Ja...“

„Was?“
Bela hatte so leise gesprochen, dass es nicht möglich gewesen war ihn zu verstehen und er quälte sich ein weiteres „ja“ heraus. Farins Hand verschwand von seiner Schulter und hinterließ dort ein leeres, kaltes Gefühl.
Und als er aufblickte, wünschte er sich in die dunklen, verständnisvollen Hundeaugen Rods zu sehen, und nicht in die von oben herabblickenden braun-grünen Farins.
Doch wiedererwarten lächelte Farin – er wusste selber nicht warum, vielleicht weil er so verwirrt war.

Doch wenn Bela es wissen würde, was für ein Chaos er in Farins Innerem verursacht hatte.
Erkenntnis: Sein bester Freund wollte mit ihm ins Bett!
Frage: Und was wollte er?
Antwort: Keine Ahnung!
Der erste, für einen Menschen wie ihn logische Gedanke, war Nein. Aber momentan war er gar nicht mal mehr so logisch, dass er so einen klaren Gedanken auf die Beine bekam.
Er hatte Angst.
Farins Kopf brummte und er sah eine einzige Möglichkeit, die entweder alles schlimmer machte oder alles auflöste. „Dirk!!“ er sah ihn an, und der Blonde schluckte. Bela machte so einen elenden Eindruck.
Und komischerweise fielen Farin jetzt die wenigen Bartstoppeln in Belas Gesicht auf, die sorgfältig geschnitten irgendwann mal etwas Ganzes ergeben sollten. Vielleicht, weil er sich so auf diese Lippen konzentrierte, die er vorhatte zu küssen!
Hatte er das wirklich vor?
(Nein!)
Würde er das je wollen?
(Nein! Nicht ihn! Nicht Bela!)
„Dirk!“, wiederholte er noch einmal „Lass mich darüber Nachdenken, bitte! Ich weiß gerade selber nicht, was ich überhaupt will!“ Er stand auf.
Bela wollte etwas sagen und der Satz hätte mit „Aber“ angefangen, doch bis nach dem „B“ kam er nicht, denn Farin tat schon wieder etwas für ihn vollkommen untypisches. Er unterbrach ihn einfach: „Wir sind seit so vielen Jahren Freunde, aber du warst für mich immer nur mein Freund! Und jetzt überrumpelst du mich damit, dass du mit mir ins Bett willst!“ In den letzten Worten klang ein verzweifelter Ton von Ungläubigkeit mit, als er sich durch die Haare strich.
Und Bela schwieg einfach und Farin ging.
Und das Klicken der Tür sagte ihm klar ins Gesicht: „Jetzt bist du allein...“
„Toll gemacht!“, lobte er sich sarkastisch und ließ sich so tief ins Sofa sinken, als wollte er darin verschwinden.
Und je länger er so auf dem Sofa saß, desto größer wurde die Gewissheit, dass er alles zerstört hatte.
Er hatte von Anfang an gewusst, dass das mit dem Lied ne scheiß Idee gewesen war. Solche Texte gehörten in die unterste Schublade, ganz hinten. Nein besser noch: Solche Texte gehörten verboten!
„Tz, Farin, ich will dich Ficken...tolle Idee, echt!“, murmelte er ins Sofa, denn mittlerweile lag er auf dem Bauch – längsseits auf dem Sofa und hatte das Gesicht in die Kissen gedrückt. Man könnte meinen, er hätte die Absicht sich zu ersticken!

Zur gleichen Zeit versuchte sich ein blonder großer Gitarrist angestrengt auf den Straßenverkehr zu konzentrieren.
“Man, Dirk“, dachte er ärgerlich. Seine Gefühle schienen erst von verwirrt auf belustigt und dann auf ärgerlich gewechselt zu sein. Und genau in diesem Moment bekam er wieder Angst und das nicht, weil er gerade beinahe einem Mercedes in die Seite gefahren währe.
Hatte er denn nie etwas von den Gefühlen seines besten Freundes mitbekommen? Den Freund, den er dachte bis aufs Mark zu kennen?
Es schien ja so.

Japsend holte er Luft.
Okay, dachte er nun, das mit dem Ersticken klappt so nicht.
Bela wälzte sich auf den Rücken.
Bringt ja eh nichts.
Also rief er Rod an – er brauchte Ablenkung und der Chilene, wenn der sich nicht schon vor einen Zug gelegt hatte, wahrscheinlich auch. Er ließ es vier Mal klingeln und beim fünften Mal wurde endlich abgenommen „Ja...“
Rod hörte sich genauso geladen an wie eine texanische Rennschnecke.
„Hey Rod, wie geht’s dir?“
„Naja...“
„Ah! Hast du Zeit?“
„Genügend....“
Ja, Bela wusste, dass seine Trennung ihm zu schaffen machte, aber leider war er selber momentan viel zu sehr damit beschäftigt, auf die Gefühle der anderen zu achten – außerdem sollte Rod endlich anfangen, in ganzen Sätzen zu Antworten!
War er nicht etwas angepisst, weil Rod nicht wie sonst immer gefragt hatte, wie es ihm ginge?? Dabei hätte er gerade jetzt so gerne Rod alles erzählt – wenn dieser danach gefragt hätte!
„Du - willste wat mache‘? Irgendwie so – na ja du weißt schon...“
Und mit einem Mal veränderte sich etwas in Rods Tonfall. Interesse?
„Also von mir aus, wie gesagt, Zeit hab ich ja jetzt!“
Und Bela fügte hinzu „Ja...und ich, glaube ich, auch...“
„Hö?“
„Erzähl ich dir, wenn ich bei dir bin, okay! Also, bis dann.“

Rod steckte sein Handy wieder in seine Hosentasche.
Typisch Rockstar, dachte er so bei sich, telefoniert nur noch mit dem Handy! Und dabei sah er sein Normales Telefon an, das so aussah, als hätte man es gegen die Wand geworfen – was auch stimmte. Danny war sehr temperamentvoll gewesen.
Er schaltete den Fernseher aus und ging in die Küche.
War aber auch schon ein sehr altes Telefon gewesen – er warf einen Blick in den Kühlschrank um resigniert festzustellen das nicht mal mehr ein einziges gekühltes Bier darin war. Danny hatte es nicht gemocht wenn er trank – Antialkoholikerin!
Also machte er sich auf den weg in den Keller und holte sechs Flaschen Bier, die er ins Eisfach legte.
Und bloß nicht vergessen, in spätestens 20 Minuten die da wieder raus zu holen – sonst wird’s explosiv.
Weil er jetzt nichts anderes zu tun hatte, ging er wieder dorthin, wo er ganz zu Anfang gesessen hatte, auf’s Sofa. Und sein Blick schweifte durch den Raum und überall fielen ihm nur die Dinge auf, die ihm nicht gehörten...die Danny gehörten...und die sie vielleicht bald abholen würde. Zusammen mit ihrer Kleidung, sein Schrank würde auf einmal ganz schön leer wirken, ihre drei DVDs...
(waren es nur drei?)
...Seine Hand fuhr in seine Hosentasche und suchte nach etwas unter seinem Handy und fand es. Es war eine Silberhalskette, Rod sah sie fast nachdenklich an.
Der Verschluss war leicht verbogen, aber noch brauchbar, und auf dem Anhänger stand immer noch anprangernd „R D“ etwas versetzt voneinander, aber doch ineinander geschlungen. Das hatte er ihr vor knapp einem halben Jahr geschenkt...meine Güte, dachte sich der Schwarzhaarige, nächsten Monat wäre es ein Jahr gewesen. Und das machte ihn traurig.
Wie er da so saß, vergaß er glatt die Zeit und im nächsten Augenblick klingelte es schon vor der Tür – Bela war schon da. Rod ließ die Kette wieder in die Tasche gleiten und machte die Tür auf.

Bela versuchte auf leicht verstörende Weise Jingle Bells zu klingeln.
Und ganz nebenbei fühlte er sich auf eine ganz schlimmer Weise ziemlich verzweifelt...ja, jetzt kroch er wieder zu Rod, um sich auszuheulen.
Vielleicht sollte er den Bassisten knebeln und ans Bett fesseln (Aggressions-Bewältigungs-Therapie) – aber das konnte er später immer noch machen. Die Tür wurde geöffnet. „Hallo Dirk – was für eine Überraschung!“
Rod war immer gleich so zynisch nach einer Trennung, aber gut dass Bela wusste, dass er sich tief in seinem Inneren bestimmt freute!
„Ich weiß – ich bin momentan furchtbar spontan.“
Es lief natürlich darauf hinaus, dass sie wenig später gemeinsam, nebeneinander auf dem Sofa saßen, eine Flasche des fast im Gefrierfach vergessenen Bieres in der Hand hatten und einen Horrorfilm im DVD-Player, den beide bereits tausendmal gesehen hatten schauten. Aber das Gute an einem abgedroschenen Film ist, dass man sich gut dabei unterhalten kann, ohne dass sich der Andere davon gestört fühlt.
So saßen sie also beide vollkommen ins Sofa eingesunken den Kopf auf der Rückenlehne und Rod lauschte, was der Andere zu erzählen hatte.
„...und dann ist er gegangen.“ Beendete Bela seine Geschichte von Farin und ihm. Ohne Happy End und ohne Träumereien – einfach nur Ende. Er sah den Chilenen an, der ihn auch ansah, und stellte nüchtern fest „Dat wird nichts! ...ich hab es in seinen Augen gesehen...er ist halt einfach nur...“ er suchte nach dem passenden Wort „...einfach nur Freund!!“
Rod nickte und Bela dachte: „Wenigstens tut er so, als ob er mich versteht“, und seufzte resignierend.

„Ich will dir ja jetzt nicht zu nahe treten, aber mir kommt es etwas so vor, als ob dir die Sache mit Farin auf einmal gar nicht mehr so viel bedeutet!“ sagte Rod langsam, nachdem sie weitere 20 Minuten Film gesehen hatten. Neben den Bierflaschen stand jetzt eine Flasche Whisky.
Bela sah ihn völlig entgeistert an: „Das ist nicht wahr!!“
Doch Rods Blick bohrte sich tief in ihn hinein, sodass Bela wegsah.
„Es ist mir nicht egal“, beteuerte er, „...es ist bloß...ich will mir keine falschen Hoffnungen machen...es tut so weh!“ Die sonst eigentlich so starke Stimme, verlor sich einfach.
„Hey“, murmelte Rod sanft und strich Bela ein paar Haare aus dem Gesicht „Tut mir leid – war nicht so gemeint.“
„Ich weiß…“, nuschelte der Schlagzeuger und legte den Hals zur Seite um Platz zu machen, als die Lippen des Chilenen ihn da zärtlich küssten.
Er war doch nur deshalb hier.
Zur Ablenkung.



„Du gehst?“ fragte die schläfrige Stimme Rods hinter ihm im Bett.
„Ich hab noch was zu erledigen!“
„Hey warte...“


Bela klingelte...und klingelte, bis ihm endlich die Tür aufgemacht wurde. Farin‘s Überraschung, ihn hier vor seiner Tür zu sehen, schien größer, als er gedacht hatte.
„Was machst du denn hier?“
Doch Bela antwortete mit einer kurzen Gegenfrage „Und?“
Und wenn man ihm die Wahl ließe, würde er wahrscheinlich am liebsten gar nichts sagen. „Dirk ich kann das nicht!“
Der Kleinere hatte es gewusst und die Nachfolgenden Worte waren ihm ab jetzt eigentlich vollkommen egal.
„Ich will dir nicht wehtun, und ich will dich nicht als Freund verlieren – von mir aus kommt das Lied auf die Platte...“
„Es geht doch nicht um das Lied“, sagte Bela ganz ruhig und leise lächelnd „Aber Jan, bevor ich gehe, lass mich das bitte einmal tun, damit ich weiß was ich niemals haben werde!“ Und der Schlagzeuger schlang seine Hände in den Nacken des Jüngeren und zog ihn zu sich runter und küsste ihn. Er küsste ihn so intensiv und gleichzeitig so gefühlskalt, wie er noch nie jemanden geküsst hatte – und Farin stieß ihn nicht weg.
Er ließ von ihm ab. „Bis...na ja bis bald halt, Freund“ und er drehte sich um und ging...und schwieg.
Hinter Bela schloss sich die Tür.
Und niemand außer ihm selbst konnte sehen oder wissen, dass ihm Tränen übers Gesicht liefen – niemand.
Außer Rod der in seinem Auto saß und ihm die Tür aufmachte. Der Schlagzeuger ließ sich auf den Beifahrersitz fallen und sah einfach nur auf die Straße.
„Hier...für dich!“
Bela blinzelt und nahm das silberne Etwas in die Hand, welches Rod ihm hinhielt. Dieser startete jetzt den Motor und fuhr los.
Bela wischte sich mit der freien Hand über die Augen und sah das Geschenk und danach Rod an. Der Bassist konzentrierte sich auf die Straße. Es war die Silberne Kette mit den Initialen „R“ und „ D“ – Rodrigo und Daniela.

„Rod und Dirk!“ sagte der Chilene zärtlich leise und lächelte.
4.5.07 18:03


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